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Freude zulassen

Thich Nhat Hanh sagt: „Warte nicht, bis du kein Leiden mehr hast, bevor du Dir erlaubst, glücklich zu sein.“ Dazu habe ich dieses Gedicht von Mary Oliver gefunden:

Don’t hesitate

If you suddenly and unexpectedly feel joy,
don’t hesitate. Give in to it. There are plenty
of lives and whole towns destroyed or about
to be. We are not wise, and not very often
kind. And much can never be redeemed.
Still, life has some possibility left. Perhaps this
is its way of fighting back, that sometimes
something happens better than all the riches
or power in the world. It could be anything,
but very likely you notice it in the instant
when love begins. Anyway, that’s often the case.
Anyway, whatever it is, don’t be afraid
of its plenty. Joy is not made to be a crumb.

Hier meine Übersetzung:

Zögere nicht

Wenn Du plötzlich und unerwartet Freude empfindest,
zögere nicht. Lass dich ein. Viele
Leben und ganze Städte sind zerstört oder
Werden es gerade. Wir sind nicht weise und nicht sehr oft
freundlich. Und vieles kann niemals erlöst werden.
Trotzdem, das Leben hat noch einige Möglichkeiten. Vielleicht ist das
seine Art, sich zu wehren, dass manchmal
etwas passiert besser als alle Reichtümer
oder Macht in der Welt. Es könnte alles sein,
aber sehr wahrscheinlich merkst du es sofort
wenn Liebe beginnt. Wie auch immer, das ist oft der Fall.
Wie auch immer, was auch immer es ist, hab keine Angst
von seiner Fülle. Freude ist nicht dazu gemacht ein Krümel zu sein.

Ein paar Gedanken dazu

Das Gedicht spricht davon, dass plötzlich und unerwartet Momente der Freude entstehen. Und es fordert uns auf, nicht zu zögern, sondern sich darauf einzulassen. Dafür müssen wir diese Momente erst mal mitbekommen. Unsere Aufmerksamkeit immer wieder weit machen. Dafür ist die Haltung der Achtsamkeit gut. Sie erlaubt es uns, unsere Aufmerksamkeit immer wieder weit zu machen. Dem gegenwärtigen Moment in seiner ganzen Fülle Raum zu geben. Und wenn sie kommen, unsere Aufmerksamkeit auf die Momente der Freude auszurichten. Vielleicht willst du in den nächsten Tagen einmal mehr darauf achten, welche Momente der Freude entstehen. Im Umgang mit den Mitmenschen, in deiner Umgebung usw.

Und dann sagt das Gedicht: es werden viele Leben oder sogar ganze Städte zerstört. Wir sind umgeben von Leid. Trotzdem werden wir aufgefordert, uns auf die Momente der Freude einzulassen. Damit wenden wir uns nicht vom Leiden ab. Wir erleben inmitten vieler Schwierigkeiten immer wieder Freude. Wir warten nicht, bis alle Schwierigkeiten beseitigt sind.

Das Gedicht sagt weiter: Wir sind nicht weise und nicht sehr oft freundlich. Die Momente der Freude liegen also nicht unbedingt an uns selbst. Wir müssen uns dafür nicht unter Druck setzen. Momente der Freude können einfach entstehen. Und es sind eben Momente. Vieles, so sagt das Gedicht, kann niemals erlöst werden. Vielleicht gibt es kein Happy End. Aber darauf kommt es auch nicht an. Unsere Begegnung mit unserem Leben ist jetzt.

Das Gedicht sagt: das Leben hat seine eigene Art, sich dagegen zu wehren. Das Leben meint es also gut mit uns. Indem immer wieder gute Momente der Freude entstehen. Zum Beispiel wenn eine Liebe anfängt. Vielleicht eine romantische. Vielleicht auch eine Freundschaft. Eine Begegnung. 

Das Gedicht sagt auch: es kommt oft vor. Das kann heißen: die Liebe kommt oft vor. Oder: die Momente der Freude kommen oft vor. Oder beides. Und wir sollen keine Angst vor der Fülle haben. Die Momente der Freude sind also tief und groß und schön. Sie sind keine Krümel. Also nicht etwas ganz kleines, was nur abfällt und dann vielleicht weg gekehrt wird. Weil es keine Bedeutung hat. Im Gegenteil. Es geht um Fülle.

Lass dich inspirieren

Schau mal, was das Gedicht in den nächsten Wochen mit dir macht. Übe deine Achtsamkeit. Benutze eine Achtsamkeitsglocke. Halte inne. Und schaue die Welt einmal unter diesem Gesichtspunkt an. Die Momente der Freude bewusst wahrnehmen und ihnen Raum geben.

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