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Die sieben Qualitäten der Erleuchtung

Buddhist*innen streben nach Erleuchtung, Erwachen oder Befreiung. Ich möchte anregen, dass wir uns davon inspirieren lassen. Beim Nachdenken darüber, was uns wirklich wichtig ist im Leben und wobei uns Meditation und Achtsamkeitsübungen unterstützen können.

Nach buddhistischer Lehre sind sieben Qualitäten oder Faktoren von Bedeutung für Erleuchtung: Achtsamkeit, Weisheit, Energie, Freude, Ruhe, Konzentration und Gelassenheit.

Das sagt Karlfried Graf Dürckheim

Ich finde, dass ein Text des bekannten Zen-Lehrers Karlfried Graf Dürckheim (1896 – 1988) diese Faktoren prägnant beschreibt:

„Jedes Tun ist rasch und genau: Nur was nottut, sonst nichts! Wasserholen, wenn’s brennt, und nichts als das! Schlafen, wenn man schläft, und nichts als das. Alles ist voller Präsenz, hellwach und aus der Mitte heraus, ohne einen Hauch zwischen Denken und Tun. Kein Ver-halten, sondern ein Zulassen des Lebens, das aus der Mitte kommt, unbehindert und leicht wie ein Flügelschlag, zielsicher, wie ein Pfeil, der ins Zentrum trifft, unbeschwert wie der Schritt eines Tänzers, … präzise wie der Meißelschlag eines Meisters, lösend wie der Frühlingswind und immer durchsättigt von Liebe. Kein Haften, kein Haften, an was es auch sei. Im tiefsten Innern still, auch mitten im Lärm. Jeder Augenblick frisch wie der Tau …Kraftvolle Gelassenheit, die ein Sterben gelehrt hat, die heitere Klarheit des Sinns, die auch den Unsinn mit einschließt, die glückhafte Geborgenheit in aller Verlassenheit dieser Welt.“

Achtsamkeit

Achtsamkeit bedeutet: präsent sein im gegenwärtigen Moment. Nicht gefangen sein in Gedanken und Gefühlen, die Vergangenheit oder Zukunft betreffen. Der Meditationslehrer Jack Kornfield erzählt von einem Schild, das er in Las Vegas gesehen hat: „You must be present to win“. Das gilt auch für unser Leben. Und Dürckheim sagt es so: „Nur was nottut, sonst nichts! Wasserholen, wenn’s brennt, und nichts als das! Schlafen, wenn man schläft, und nichts als das. Alles ist voller Präsenz, hellwach und aus der Mitte heraus, ohne einen Hauch zwischen Denken und Tun.“

Weisheit

Weisheit trägt auch viel zu Erleuchtung und Befreiung bei. Sie hat zu tun mit Ergründen, genau Hinschauen, Hinterfragen, Untersuchen, Erfahrungen ernst nehmen, Herausfinden: welche Grundsätze leiten mich, was entspricht ihnen, wie kann ich sie umsetzen? Also kurz: Eigene Erfahrungen und klares Denken. Dürckheim nennt sie „Klarheit des Sinns, die auch den Unsinn mit einschließt“.

Energie

Dabei denke ich an Enthusiasmus, meine Zeit richtig verwenden, nicht träge sein aber auch nicht übermotiviert, mit Selbstwirksamkeitserwartung und dabei Leichtigkeit. Dürckheim: „Kein Ver-halten, sondern ein Zulassen des Lebens, das aus der Mitte kommt, unbehindert und leicht wie ein Flügelschlag, zielsicher, wie ein Pfeil, der ins Zentrum trifft, unbeschwert wie der Schritt eines Tänzers, …“

Freude

Sie ist so wichtig: Interesse entwickeln, Faszination. In einen Flow kommen, also den als beglückend erlebten mentalen Zustandes völliger Vertiefung (Konzentration) und restlosen Aufgehens in einer Tätigkeit (Absorption). Wie beim Spiel. Der Erziehungswissenschaftler Hans Scheuerl (1919 – 2004) beschreibt das als „Entrücktsein vom aktuellen Tagesgeschehen“, „das völlige Aufgehen in der momentanen Tätigkeit“ oder „das Verweilen in einem Zustand des glücklichen Unendlichkeitsgefühls“.  Bei Dürckheim steht: „…, die glückhafte Geborgenheit in aller Verlassenheit dieser Welt.“

Ruhe

Die innere Aufregung schwindet, die Dinge bekommen ihre Zeit, es gibt Pausen, keine großen emotionalen Ausschläge wie Angst, Sorge, Begeisterung und große Lebendigkeit. „Im tiefsten Innern still, auch mitten im Lärm.“ Wie Dürckheim schreibt.

Konzentration

Stetigkeit des Geistes, die Aufmerksamkeit ist für eine längere Zeit auf einen Gegenstand gerichtet oder offen. Bei Dürckheim heißt das „…präzise wie der Meißelschlag eines Meisters“

Und schließlich

Gelassenheit

Wir sind nicht mehr reaktiv. Frei von Hass, Erwartung und Befürchtung. Auch das birgt große Freiheit. Wir können ganz offen sein. „Kein Haften, kein Haften, an was es auch sei.“ „Kraftvolle Gelassenheit, die ein Sterben gelehrt hat.“

Lassen wir uns inspirieren. Vielleicht entsteht bei einigen dieser Qualitäten Resonanz in uns. Dann können wir sie in unsere Vision von uns selbst und unserem Leben integrieren.

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